Montag, 14. April 2014

My First Failure - "Ich verliere meine SchülerInnen an den Lärm"

Tagebucheintrag aus den Anfängen meines Teach For Austria-Fellow-Daseins 

von Katharina Mühl, Teach For Austria-Fellow 2013


Oropax – aus gesundheitlichen Gründen empfehle ich den SchülerInnen, hospitierenden TrainerInnen und mitunter auch angrenzenden LehrerInnen mit Oropax ausgestattet zu sein. Denn ich verstehe in der Klasse oft mein eigenes Wort nicht. „Sprich einfach leise – sie werden automatisch leise“ – guter Rat; nur was, wenn er einfach nicht wirkt? 

Das einzig Positive, das ich momentan von meinen SchülerInnen zu hören bekomme ist: „Frau Mühl, ist die einzige, die nicht mit uns schreit. Wir sollten echt froh sein, dass wir sie haben!“ Danke Denise für die netten Worte, aber die SchülerInnen können damit trotzdem nichts anfangen – zumindest nicht heute; gestern aber auch schon nicht. Angeblich auch nicht morgen, aber vielleicht – und die Hoffnung stirbt zuletzt – in sechs Monaten. Spätestens in zwei Jahren soll ich mich dann schon als „echte Lehrerin“ fühlen. Da bin ich dankbar, wenn ich in Gesprächen erfahre, dass – heute angesehene, engagierte, leidenschaftliche – LehrerInnen schon in den ersten Wochen ihrer LehrerInnenlaufbahn das Handtuch werfen wollten und nie wieder in die Schule zurückkehren wollten. 

Und tatsächlich: Nicht einmal sechs Monate später häufen sich ganz andere SchülerInnenkommentare: „So leise war es noch nie.“


Teach For Austria-Fellow 2013, Katharina Mühl


Kathi Mühl hat Romanistik studiert und unterrichtet seit September 2013 als Teach For Austria-Fellow an einer NMS. Sie ist als Klassenvorstand in einer ersten Klasse eingesetzt. Sie nutzt die Möglichkeit in ihrer zusätzlichen Stunde über die Werte in der Klassengemeinschaft zu sprechen - Was bedeutet Respekt? Wie setzt man Selbstständigkeit um? Sie visualisiert dabei die Werte in Form einer Sonne und verteilt den Kindern kleine Sonnen für die Einhaltung dieser Werte. Sehr schnell begriffen die SchülerInnen, worum es in ihrem Unterricht geht und warum richtiges Verhalten jedes Einzelnen wichtig ist. Ganz besonders engagieren sie sich für die Ruhegiraffe: Mit diesem Zeichen, das Kathi mit der Hand formt, kehrt innerhalb kürzester Zeit Ruhe und Aufmerksamkeit in die Klasse. Sie ist davon überzeugt, dass sie so einen ersten Grundstein für den Lernfortschritt und „Transformational Change“ gelegt hat.

„Von "Giraffensprache" bis Jugendsprache - Ein/e Teach For Austria-Fellow spricht viele Sprachen.“ – Kathi Mühl, Teach For Austria-Fellow 2013