Dienstag, 22. April 2014

Physik macht Spaß

von Michael Eilmer, Teach For Austria-Fellow 2013


Es ist Dienstag 6.00 morgens, der Wecker läutet und ich mache mich auf den Weg in die Schule an der ich seit September 2013 unterrichte. Halb 8, ich komme in der Schule an, drucke noch ein paar Kleinigkeiten aus, bespreche eine Idee mit meiner Teamlehrerin und begebe mich in den Physikraum um ein wenig zu experimentieren. Ich gehe in meine Klasse voller angeblicher „Problemkinder“, „Dauerstörer“ und „Nichtsnutzer“. Jedoch kommt mir viel Energie und Lebenslust entgegen. Die Kids wollen gefordert werden und ein ähnlich hohes Tempo wie im Leben auch im Unterricht gehen.


Los geht es mit einem 1-minütigen Speed Test zum Thema der letzen Stunde. Jeder will da den „Weltcup“ holen und keiner sagt ein Wort währenddessen. Eine Minute ist um; also weiter im Stoff. Da ein unbekanntes Wort mit Hilfe ihres Smartphones erklärt, dort ein kurzer Austausch mit seinem Nachbarn über die Lösung der Aufgabe. Schon gibt es den einen oder anderen Spezialisten, welcher der Klasse die Schritte erklären kann. So habe ich Zeit mich um jene zu kümmern, die mehr Unterstützung brauchen. Am Ende mit einem Spiel noch das Erreichen des Lernziels überprüft und schon sind meine 50 Minuten vorbei. Vor- und Nachbereiten muss ich die Einheit, aber wenn alles klappt arbeiten die Schüler für sich und die Anderen während der Stunde. Auf die Frage warum sie das lernen, kommt auch mehr als: „Weil ich eine gute Note will“. Und das macht mich stolz.

Mit vielen verschiedenen Menschen zu arbeiten ist eine Herausforderung, aber eine Arbeit, die mir sehr viel Spaß macht. An vielen Tagen ist es schön zu sehen, wie begeistert Kinder lernen und auch lernen wollen und genau diese Augenblicke bestätigen mich in der Arbeit, die ich mache.



Fellow Michael mit seinen SchülerInnen

Warum ich mich für Teach for Austria entschieden habe, ist wohl jene Frage, die ich nach meinem Studium als Verfahrenstechniker am häufigsten hörte. Warum suche ich mir nicht einen Job bei dem ich besser verdiene, bei dem ich „Größeres“ erreichen kann und mich nicht mit uninteressierten Kids herumschlagen müsse. Ich habe in den letzten Monaten mehr über mich und meine Stärken gelernt als jemals zuvor. Ich selbst bin besser in meiner Organisation und Planung geworden und weiß, was es heißt Verantwortung zu haben. Jeder Tag stellt mich vor neue Herausforderungen und ich habe gelernt flexibel genug zu sein um diese zu meistern. Ich will diesen Kindern aber auch zeigen zu was sie selbst fähig sind und aus wie vielen Möglichkeiten sie im Leben wählen können. Sie sollen im Unterricht Grenzen erreichen und wissen, dass sie über diese hinausgehen können. Wenn meine Schüler ohne Angst in ihre Zukunft blicken können, dann hab ich mein Ziel erreicht.





Teach For Austria-Fellow 2013, Michael Eilmer


Michi hat Verfahrenstechnik studiert, hat dann als Projektassistent gearbeitet und ist seit September 2013 an der Schule tätig. Einer seiner Beweggründe sich bei Teach For Austria zu bewerben, war es, die Lebenswege der Kinder positiv mitzugestalten. Er findet es wichtig, dass jedes Kind, egal welcher sozialen Herkunft es auch sein mag, alle Chancen bekommt. 

“Diese Kinder sind unsere Zukunft und ich finde es demnach enorm wichtig, dass sie positiv gestärkt in dieser Welt fußfassen.”Michael Eilmer, Teach For Austria-Fellow 2013


Montag, 14. April 2014

My First Failure - "Ich verliere meine SchülerInnen an den Lärm"

Tagebucheintrag aus den Anfängen meines Teach For Austria-Fellow-Daseins 

von Katharina Mühl, Teach For Austria-Fellow 2013


Oropax – aus gesundheitlichen Gründen empfehle ich den SchülerInnen, hospitierenden TrainerInnen und mitunter auch angrenzenden LehrerInnen mit Oropax ausgestattet zu sein. Denn ich verstehe in der Klasse oft mein eigenes Wort nicht. „Sprich einfach leise – sie werden automatisch leise“ – guter Rat; nur was, wenn er einfach nicht wirkt? 

Das einzig Positive, das ich momentan von meinen SchülerInnen zu hören bekomme ist: „Frau Mühl, ist die einzige, die nicht mit uns schreit. Wir sollten echt froh sein, dass wir sie haben!“ Danke Denise für die netten Worte, aber die SchülerInnen können damit trotzdem nichts anfangen – zumindest nicht heute; gestern aber auch schon nicht. Angeblich auch nicht morgen, aber vielleicht – und die Hoffnung stirbt zuletzt – in sechs Monaten. Spätestens in zwei Jahren soll ich mich dann schon als „echte Lehrerin“ fühlen. Da bin ich dankbar, wenn ich in Gesprächen erfahre, dass – heute angesehene, engagierte, leidenschaftliche – LehrerInnen schon in den ersten Wochen ihrer LehrerInnenlaufbahn das Handtuch werfen wollten und nie wieder in die Schule zurückkehren wollten. 

Und tatsächlich: Nicht einmal sechs Monate später häufen sich ganz andere SchülerInnenkommentare: „So leise war es noch nie.“


Teach For Austria-Fellow 2013, Katharina Mühl


Kathi Mühl hat Romanistik studiert und unterrichtet seit September 2013 als Teach For Austria-Fellow an einer NMS. Sie ist als Klassenvorstand in einer ersten Klasse eingesetzt. Sie nutzt die Möglichkeit in ihrer zusätzlichen Stunde über die Werte in der Klassengemeinschaft zu sprechen - Was bedeutet Respekt? Wie setzt man Selbstständigkeit um? Sie visualisiert dabei die Werte in Form einer Sonne und verteilt den Kindern kleine Sonnen für die Einhaltung dieser Werte. Sehr schnell begriffen die SchülerInnen, worum es in ihrem Unterricht geht und warum richtiges Verhalten jedes Einzelnen wichtig ist. Ganz besonders engagieren sie sich für die Ruhegiraffe: Mit diesem Zeichen, das Kathi mit der Hand formt, kehrt innerhalb kürzester Zeit Ruhe und Aufmerksamkeit in die Klasse. Sie ist davon überzeugt, dass sie so einen ersten Grundstein für den Lernfortschritt und „Transformational Change“ gelegt hat.

„Von "Giraffensprache" bis Jugendsprache - Ein/e Teach For Austria-Fellow spricht viele Sprachen.“ – Kathi Mühl, Teach For Austria-Fellow 2013