Donnerstag, 19. November 2015

Bildungsreform: Was haben Jelena, Ayse und Ahmad davon?

Die Bildungsreform macht erste kleine Schritte in die richtige Richtung, für sozial benachteiligte SchülerInnen passiert aber zu wenig.

Die Bildungsreform bringt ein wenig Bewegung in das veraltete österreichische Schulsystem. Das zweite verpflichtende Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachdefiziten und der Bildungskompass sind Verbesserungen, welche in Zukunft für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem sorgen sollen. Die überfällige Einführung von W-LAN in den Klassenzimmern und die leicht verstärkte Autonomie für Schulstandorte sind ebenfalls positiv.

Nur was haben meine SchülerInnen Jelena, Ayse und Ahmad davon? Ihr Bildungserfolg hängt sehr stark von der Bildung und Herkunft Ihrer Eltern ab. Ihre Eltern haben geringe Bildung und wenig Einkommen. Vor allem in Österreichs Städten ist die soziale Segregation stark ausgeprägt. Zu früh steht fest, welche Chancen ein Kind in Zukunft haben wird. Dieses große Problem wird von dieser Bildungsreform nicht addressiert. Jelena, Ayse und Ahmad gehen leider leer aus.

Modellbezirke anstatt echter Reformen
Die flächendeckende Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14- Jährigen hätte beweisen können, dass bei einer sozialen Durchmischung der SchülerInnen und entsprechenden individualisierten Förderung, alle profitieren können. Stattdessen werden in Zukunft, auf Grund der 15% Obergrenze, wohl nur in einzelnen Gemeinden und Bezirken Gesamtschul - Modellregionen eingeführt. Damit hängen die Bildungschancen eines Kindes in Zukunft, neben dem Bildungsgrad der Eltern, auch noch stärker als bisher vom Wohnort ab.

Damit alle Kinder in Zukunft die gleichen Chancen auf die beste Bildung haben, bleibt noch viel zu tun. Die individuelle Förderung muss bei der verbesserten Ausbildung der KindergartenpädagogInnen beginnen. Damit würde sich auch in der Gesellschaft das Bild der KindergartenpädagogInnen positiver darstellen.
Schulen müssen den Lernerfolg aller SchülerInnen in den Mittelpunkt stellen. SchülerInnen bei denen im Bildungskompass besondere Begabungen oder Defizite festgestellt wurden, werden von bestens ausgebildeten LehrerInnen individuell gefördert. Dafür bekommen Schulstandorte, nicht nur im Zuge der vorgesehenen Autonomie die Möglichkeit, Fachkräfte anstatt von LehrerInnen einzusetzen, sondern bekommen auch zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt.

Damit Jelena, Ahmad, Ayse und all meinen SchülerInnen alle Wege offenstehen, braucht es nicht nur eine Kompromisslösung bei der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern und Reformschrittchen, sondern eine tiefgreifende Reform in der die Chancen der SchülerInnen im Zentrum stehen.

Florian Rabenstein unterrichtet seit 2013 als Teach For Austria Fellow und Klassenvorstand an einer Neuen Mittelschule in Wien. Er ist Sprecher von “mehr ist möglich! - Teach For Austria Alumni”.