Mittwoch, 21. Oktober 2015

Simmering meets Musikverein

Zu den schönsten Momenten im Fellow-Alltag zählen für mich die ersten Male meiner Schülerinnen und Schüler: Zum ersten Mal eine Hürde meistern, zum ersten Mal das eigene Weltbild hinterfragen… Dieses erste Mal handelt von einer Gruppe wagemutiger 13-Jähriger aus meiner Einsatzschule in Simmering, die sich zu einer neuen Welt – dem ehrwürdigen Wiener Musikverein – aufmachte. Obwohl nur rund sechs Kilometer von ihrer vertrauten Schule entfernt, war es eine aufregende Erstbegegnung mit der Welt der sogenannten Hochkultur.



„Du spielst deinen Schülern Klassik vor?“, werde ich regelmäßig erstaunt von Kollegen gefragt – „Natürlich!“ Zugegeben, der Einstieg in die klassische Musik ist nicht immer leicht. Doch wurde die Hemmschwelle bei unserem Besuch schnell abgebaut. Frau Mag. Menheere führte uns durch die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten des Musikvereins und beeindruckte meine Schülergruppe mit viel Wissenswertem über das Haus: Dass dem Neujahrskonzert mehr Zuseher folgen als dem Finale der Champions League, überraschte meine Schüler sichtlich. Während der „Große Goldene“ der berühmteste Saal des Hauses ist, kürten die Kinder einen anderen zu ihrem Favoriten: den modernen Gläsernen Saal im Untergeschoß, in dem gerade eine Probe stattfand. Oder in den Worten eines Schülers: „Der coolste Saal ever!“


Im Anschluss an die Führung nahmen Katharina Schumann und Christian Krug, zwei Geiger des renommierten Gewandhausorchesters Leipzig, die Gruppe mit auf eine musikalische Reise. Die Musiker demonstrierten die Vielseitigkeit ihres Instruments anhand von Duo-Kompositionen von Sergej Prokofjew, Béla Bartók und Darius Milhaud. Zu schwere Kost? Nein, denn im Vordergrund standen die Gefühle, welche die Musikstücke auslösten. Der Bogen spannte sich dabei von Streit und Zorn über Freude, Witz und Lebenslust bis hin zu Trauer, Frust und Schmerz. Mit den versöhnlichen Tönen verträumten, stillen Glücks endete der Konzertteil. Danach standen die Profimusiker den interessierten Schülerinnen und Schülern noch Rede und Antwort, gaben Einblick in das Leben als Orchestergeiger und erklärten, was die Beziehung zu ihrem Instrument ausmacht. Auch wenn die Kinder kräftig applaudierten, machten auf mich die kurzen Momente, in denen in ihren Gesichtern echte Entrückung zu erkennen war, den stärksten Eindruck.

Rainer Hautpmann, Fellow 2014

Donnerstag, 8. Oktober 2015

2051: Smart Life in the City

Manchmal hat man als Fellow den Schulalltag so unmittelbar vor sich, dass man das große Ganze aus den Augen verliert. Dabei sind gerade die Fragen danach, wie Bildung in Zukunft funktionieren wird, ungemein wichtig:
Was werden die Kinder von morgen lernen? Wo wird Lernen passieren? Welches Wissen wird die Gesellschaft der Zukunft brauchen? Und welche Rolle wird die Schule dabei spielen?

Im Zuge der Ausstellung 2051: Smart Life in the City der Vienna Biennale 2015 im MAK bot sich einigen von uns Fellows 2014 die Gelegenheit genau diese Fragen zu stellen und einen Gedankenaustausch zu starten. In unserem Workshops Bildung 2051 diskutierten wir mit interessierten Ausstellungsbesuchern unter anderem die Rolle der Eltern und Lehrer der Zukunft. Hier einige Blitzlichter aus den Gesprächen:


„Schule wird nicht mehr dieses abgekoppelte Ding, sondern in das gesellschaftliche Leben integriert sein.“

„Lehrer werden nicht mehr die Allwissenden sein, die vorne stehen und erzählen, sondern mehr die Rolle eines Coachs einnehmen.“

„Ist doch egal wieviel man arbeitet. Gibt es einen Wert für die Gesellschaft muss die Arbeit auch entlohnt werden.“

„Kinder werden nur mehr eine Sprache sprechen – den Rest erledigt Google Translate.“


Besonders schön fanden wir den Abschlusskommentar eines Schweizer Teilnehmers, auf die Frage welchen ersten Schritt man denn setzen müsse: „Man muss bei den Kindern ein Feuer für Bildung entfachen, damit fängt alles an.“


Gregor Kainz, Fellow 2014